A-Mopoly – eine Entdeckungsreise

Einige werden es eventuell kennen, die meisten vermutlich nicht. A-Mopoly – eine Monopoly-Implementierung für Amiga Computer.

Ich habe das Spiel eher zufällig entdeckt. Ein Freund hat mir zum Geburtstag seine Amiga-Reste geschenkt (Danke noch mal Selcuk!), eine Box Floppies; ’n A520 Modulator und einen netten Competition Pro.

Hm? Worüber reden wir?

Eine der Floppies war eine „Schulhof-Kopie“ von A-Mopoly in Version v1.32. Da wir in der Familie gerne Monopoly (ohne Zeitlimit) spielen und das Spiel Savegames hat war das natürlich sehr willkommen, spart die Zettelwirtschaft bei Pausen.

A-Mopoly Splashscreen mit Angaben zum Publisher, Programmierer und Gfx/Snd Künstler

Bei einer Runde mit meiner Tochter war die Floppy aber der Meinung jetzt mal Lesefehler zu produzieren und uns die Partie zu vermiesen. 30 Jahre Lagerung richten ihre Grüße aus könnte man sagen. Also habe ich bei „Amiga Germany“ auf Facebook meinem Ärger Luft verschafft – schließlich war ich am gewinnen :D.

Turns out: es meldet sich Ralf in den Kommentaren der eine „neuere“ Version hat, v1.40, die deutlich mehr Optionen bietet – unter anderem das zwingend nötige (nach MEINEN Regeln ^^) „Bekommst Geld wenn du auf Frei Parken kommst“ und „Keine Miete wenn Besitzer im Knast“. „Neuer“ ist natürlich relativ, auch diese Version erschien 1990.

A-Mopoly v1.40 @ WinUAE – Intro & Optionen

Netterweise hat er ein ADF Image erstellt und mir zugemailt. Das habe ich dann von Savegames bereinigt und auf archive.org hochgeladen. Bis dahin war nur v1.32 im Internet verfügbar – zumindest habe ich v1.40 nirgends finden können.

Damit war allerdings meine Neugier geweckt, da man fast keine Infos zu dem Spiel finden kann. Also habe ich mich auf die Suche nach den Beteiligten gemacht um einfach mal auf Glück nachzufragen.

Zu dem Publisher habe ich eine vermutliche Nachfolgefirma gefunden (auch wenn es vermutlich keine Rechtsnachfolge war, whatever). Allerdings existiert die auch nicht mehr, und die letzte bekannte Emailadresse liefert „Recipient address rejected: User unknown in virtual mailbox table“.

Aber ich konnte tatsächlich eine Person mit dem Namen des Programmierer finden. Es war zwar nur ein „luckshot“, aber er traff kurioserweise ins Schwarze und ich bekam recht fix eine Antwort. Ich kenne ihn natürlich nicht persönlich, wir haben nur kurz gemailt. Aber meiner Meinung nach ist er ein schönes Beispiel für Leute die mit Systemen wie dem Amiga auf- und daran gewachsen sind. Warum? Das werdet ihr gleich wissen…

Mein kurzes Gespräch mit dem Entwickler von A-Mopoly – Peter Gober

Ingame ist Peter Gober als Entwickler und Axel Burgemeister als Gfx und Soundartist genannt. Leider hat LemonAmiga das in den Metadaten falsch wiedergeben – als „Peter Gobel“ und „Axel Burgenmeister“ (falls ein Leser dort einen Account hat: lass mal einen Kommentar da das dass mal korrigiert wird – ich wollte mich nicht extra dafür anmelden). Ich unterstelle ich mal das die Ingame-Credits die korrekte Schreibweise sind, zumindest für Herr Gober weiß ich es.

Wer ist Peter Gober?

Herr Gober ist heute ein bekannter, und mehrfach publizierter, Prof. Dr.-Ing. an der Berliner Hochschule für Technik. Vor ca. 32 Jahren hat er aber noch als Schüler „für ’ne Mark nebenbei“ für Amiga-Systeme entwickelt.

Unter anderem, zusammen mit seinem Kumpel Axel, in Klasse 12 (vermutlich, seine Erinnerung ist verständlicherweise etwas unscharf nach all der Zeit) und noch vor meiner Einschulung auch A-Mopoly.

Zusätzlich scheint er ein sehr netter Mensch zu sein und hat sich sehr über das Feedback und auch das anhaltende Interesse an seinem Spiel gefreut.

Herr Gobers Reaktion auf das anhaltende Interesse an seinem Spiel A-Mopoly
Herr Gobers Reaktion auf das anhaltende Interesse an seinem Spiel A-Mopoly

Dennoch natürlich hier die Bitte: Ja, er ist im Internet relativ einfach zu finden. Nein, das heißt nicht das ihr ihn jetzt alle anmailen solltet – es ist lange her und das an was er sich erinnert hat er jetzt geteilt. Damit sollte es auch gut sein finde ich, gibt keinen Grund den Herrn mit Anfragen zu fluten ;-). Daher hier auch keine direkten Links zu ihm.

(Und falls er sich von seiner Version trennen will bestehe ich eh auf Vorkaufsrecht – „wer’s findet darf’s behalten“ xD)

Mehr Infos zu A-Mopoly

Wie viele Versionen von A-Mopoly gibt es?

Nach seinen Erinnerungen gab es zwei Versionen. Die erste war so erfolgreich, und generierte solches Kundenfeedback, das noch eine zweite, mit mehr Optionen folgte.

Beide Versionen wurden an R-H-S verkauft und von dort vertrieben da die beiden sich nicht mit Copyrights/Lizenzen rumschlagen wollten.

Daraus können wir vermutlich schlussfolgern das die erste veröffentliche Versionen v1.32 war, wie man sie bei LemonAmiga findet.

Wonach v1.40 dann die zweite Version basierend auf Kundenfeedback und Erfolg erstellte zweite Version sein dürfte. Weitere Versionen existieren seiner Erinnerung nach nicht, womit das Spiel jetzt vollständig (abgesehen von Coverart etc.) im Internet verfügbar sein dürfte.

Am Rande bemerkt: er hat der Veröffentlichung von v1.40 zwar nicht explizit zugestimmt (ich habe ihn auch nicht gefragt), aber er ist auf mein Angebot der Löschung auch nicht eingangen und hat sich gefreut das die zweite Version jetzt auch verfügbar ist. Damit dürfte das angesichts des vermutlichen Abandonware-Status wohl „OK“ gehen. Der aktuelle Rechteinhaber kann sich aber gerne melden (unter Nachweis), auch dann entferne ich natürlich sofort den v1.40 Upload – aber das nur am Rande.

Ist man reich geworden mit A-Mopoly?

Für beide Versionen haben die beiden damals circa jeweils pro Version (für beide Personen zusammen nach meinen Verständnis) 1.000,- DM bekommen. Also ca. 2000,- DM insgesamt für beide Personen und beide Versionen. Für die jüngeren: das entspricht ca. 1100€ – nicht inflationsbereinigt.

Wäre natürlich interessant zu wissen wieviel Umsatz R-H-S damit generiert hat, allerdings konnte ich keinen Kontakt zu R-H-S finden. Selbst wenn würde man es mir vermutlich auch nicht sagen, selbst wenn noch bekannt :-D.

Aber bei dem Verkaufspreis von 39,- DM (laut Werbung) hätten 52 Kopien für „break even“ der Entwicklungskosten gesorgt.

Gehen wir mal davon aus das für Boxen, Anleitungen, Floppy-Duplikation etc. pro Kopie Kosten von 10 DM angefallen sind (was recht großzügig sein dürfte vermutlich), wären 65 verkaufte Kopien nötig gewesen um die Kosten zu decken. Schlagen wir noch mal 10 DM pro Kopie für Verpackung & Versand drauf reichen immer noch 78 Kopien. In so fern würde ich mal davon ausgehen das dass für R-H-S ein lukrativer Deal war. Auch wenn das natürlich eine „Milchmädchen-Rechnung“ ist.

Funfact: Die LemonAmiga Seite für v1.32 hat 10106 views zum Zeitpunkt des verfassen dieses Beitrags. Wenn davon nur 1% das Spiel gekauft hätten, würde das knapp 3.900,- DM entsprechen bzw. hätte R-H-S in die Gewinnzone gebracht.

Werbung? Welche Werbung?

In der „Amiga Joker 91/11“ findet sich auf Seite 33 eine Anzeige von Intersoft aus Oberhausen, die haben das Spiel offenbar auch vertrieben – unter der Indexnummer 606 und der abweichenden Schreibweise „AMopoly“. Scheinbar hat R-H-S das Spiel also auch über Partner vertrieben. Aber auch zu Intersoft lässt sich nichts weiter finden, noch weniger als zu R-H-S.

Werbeanzeige der Firma Intersoft aus Oberhausen für A-Mopoly (zum Preis von 39,- DM)  in Ausgabe 91/11 der "Amiga Joker"

Mindestens 1993 wurde A-Mopoly immer noch von R-H-S vertrieben, ich konnte eine ganzseitige Anzeige in der Amiga Joker 93/04 auf Seite 53 finden. Scheint sich also gelohnt zu haben wenn es immer noch einen eigenen „Zettel“ auf der „Wand“ wert war ;-).

Ganzseitige Werbeanzeige der Firma R-H-S für A-Mopoly in Ausgabe 93/04 der "Amiga Joker"
Ganzseitige Werbeanzeige der R-H-S in der „Amiga Joker“ 93/04

Rückblickend betrachtet hätten die Jungs vermutlich etwas mehr rausholen können, wenn sich drei Jahre später noch immer Werbung dafür lohnt.

Ist noch irgendwas von damals erhalten?

Eventuell, aber das ist ein RIESEN „eventuell“, existiert noch eine Retailversion mit unbekannten Umfang in Peters Keller. Falls er da mal drüber stolpert bekomme ich eventuell (again: RIESEN „eventuell“) noch Bilder davon, zumindest habe ich danach gefragt. Natürlich ist er aber sehr beschäftigt heutzutage also erwartet bitte nichts.

Update 2022-11-24: Ich habe heute eine Email von Peter erhalten, er ist tatsächlich über etwas gestolpert und hat an mich gedacht. Vielen Dank dafür auch noch mal hier Peter ;-).

Es gibt jetzt ein Foto einer der neueren Originalfloppies und einen Scan der Bedienungsanleitung. Ich habe beides mal bei Archive.org hochgeladen, plus einen Zuschnitt des Labels für Druck.

Was definitiv nicht mehr existiert: sein Amiga 1000, auf dem er entwickelt hat, und die Floppies von damals – zumindest nicht bei ihm.

Aber selbst wenn, wäre die Veröffentlichung von Quellcode oder sonstigen natürlich schwierig – da die Rechte an dem Spiel vollständig an R-H-S verkauft wurden.

Wie jetzt, das war’s?!

Jap, das war’s. Mehr Informationen, Werbeanzeigen oder sonstiges scheinen nicht (mehr) zu existieren. Falls jemand noch etwas ausgraben kann, gerne in die Kommentare – ich update den Artikel dann (natürlich mit Credits).

Herr Gobers Antwort zu A-Mopoly im Volltext

Erste Antwort des Entwickler auf meine Email.
Die erste Reaktion von Herr Gober auf meine „coldmail“
Zweite Antwort des Entwickler, auf meine Antwort zu seiner erster Antwort.
Seine Antwort auf meine Antwort zu seiner Antwort (oh mann, was für ein Satz…)

Fazit

Es ist schön endlich etwas mehr zu dem Spiel zu wissen – nach dem man außer dem ADF nicht viel im Netz finden konnte.

Weiteres Fazit: wie geil ist das Internet bitte das man nach 32 Jahren random den Entwickler ausfindig machen kann und einfach mal mit ihm spricht? Ich bin seit über 2 Jahrzehnten online aber dennoch immer wieder über die Möglichkeiten begeistert.

Quellen / Danksagungen

Gelesen: 386 · Heute: 2 · Zuletzt: 30. November 2022

Das könnte dich auch interessieren …

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.